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-(으)ㄹ까요 und -(으)ㄹ 것 같다 — fragen, anbieten, sich nicht festlegen

Zwei Konstruktionen, die im Koreanischen dieser Seite 349-mal vorkommen. Die eine steht in jedem Anfängerkurs und geht trotzdem schief, die andere in fast keinem. Zusammen sind sie die Art, wie Koreanisch bittet und wie es vermeidet, etwas glatt hinzustellen.

Auf dieser Seite
  1. Warum diese beiden zusammengehören
  2. -(으)ㄹ까요? — eine Endung, im Deutschen vier verschiedene Sätze
  3. Um Erlaubnis bitten — 해도 될까요? und die weichere Verneinung
  4. -아/어 드릴까요? — anbieten, es für jemanden zu tun
  5. -(으)ㄹ 것 같다 — und die drei Modifikatorformen
  6. Wo Koreanisch abfedert und Deutsch es einfach sagt
  7. Fünf, die sitzen sollten

Warum diese beiden zusammengehören

Unter den 13.044 verschiedenen koreanischen Zeilen dieser Seite — ganze Sätze und Vokabeleinträge zusammen — steht -(으)ㄹ까요? 226-mal und -(으)ㄹ 것 같다 123-mal.

Das sind 349 Zeilen ohne jede Überschneidung, und praktisch alle sind Sätze: In den Wortlisten taucht keine der beiden auf. Sie gehören in einen Artikel, weil sie dieselbe Arbeit an entgegengesetzten Enden des Satzes tun — sie halten Sie davon ab, etwas zu behaupten.

-(으)ㄹ까요?226 — vorschlagen, um Erlaubnis fragen, anbieten, bitten
-(으)ㄹ 것 같다123 — „wohl, anscheinend“, weit häufiger, als Deutsch es sagen würde

Der Begriff ist Ihnen vertraut: Auch im Deutschen wird gemildert, und zwar grammatisch — Konjunktiv II in Könnten Sie …? oder Ich hätte gern …, dazu wohl und vielleicht.

Nur greift Deutsch dafür je nach Lage zu einem anderen Mittel, während Koreanisch zwei Bauteile immer wieder verwendet. Deshalb hat keine der beiden eine einzige deutsche Entsprechung — und deshalb ist die Zuordnung nach Situation die brauchbarere.

-(으)ㄹ까요? — eine Endung, im Deutschen vier verschiedene Sätze

Die Form ist der Zukunfts-Modifikator -(으)ㄹ plus 까요. Sie macht aus einer Aussage etwas, das Sie dem Gegenüber vorlegen, statt es ihm mitzuteilen. Wo Deutsch je nach Absicht das Verb wechselt (Sollen wir …, Darf ich …, Soll ich Ihnen …, Was meinen Sie …), bleibt Koreanisch bei einer Endung.

어디서 만날까요?„Wo sollen wir uns treffen?“ — gemeinsam entscheiden
3시에 만날까요?„Sollen wir uns um 3 treffen?“ — ein Vorschlag
뭐 시켜 먹을까요?„Sollen wir etwas bestellen?“
내일 비가 올까요?„Meinen Sie, dass es morgen regnet?“ — bloßes Erwägen, niemand handelt

Zwei Verwendungen haben feste Gestalt und lohnen sich als Einheit: -아/어도 될까요? (52 der 226) fragt nach Erlaubnis, -아/어 드릴까요? (43) bietet etwas an. Beide folgen gleich. Und es gibt eine weitere Gruppe, die in dieser Aufzählung fehlt: -(으)ㄹ 수 있을까요? (33) richtet die Frage an das Gegenüber.

그거 설명해주실 수 있을까요? ist genau das Könnten Sie mir das erklären? samt Konjunktiv II. Die Endung selbst sagt nur „ich lege es Ihnen vor“; wer am Ende handelt, entscheidet das Verb davor.

Um Erlaubnis bitten — 해도 될까요? und die weichere Verneinung

-아/어도 되다 heißt wörtlich „auch wenn man es tut, wird es“ — also „ist es in Ordnung, wenn …“. Mit 까요 hinten haben Sie die übliche Art, in Korea um irgendetwas zu bitten.

여기 앉아도 될까요?„Darf ich mich hierhin setzen?“
가위 좀 써도 될까요?„Könnte ich kurz die Schere benutzen?“
부탁 하나 해도 될까요?„Darf ich Sie um einen Gefallen bitten?“
부탁 하나 하면 안 될까요?Derselbe Gefallen, weicher erbeten

Sehen Sie sich die letzten beiden an: dieselbe Bitte, einmal positiv und einmal negativ gerahmt. -(으)면 안 될까요? — wörtlich „wäre es denn nicht in Ordnung, wenn …“ — ist die weichere, weil sie dem anderen die Absage fertig in die Hand gibt; zustimmen genügt.

So arbeitet koreanische Höflichkeit immer wieder: Je mehr Raum die Frage für ein Nein lässt, desto höflicher ist sie. Auch das kennen Sie von Wendungen wie Sie hätten nicht zufällig … Zehn der 226 nutzen diesen Rahmen, und es sind die unangenehmen Bitten: 물 한 잔 마시면 안 될까요?, TV 좀 보면 안 될까요?

-아/어 드릴까요? — anbieten, es für jemanden zu tun

Diesen Satz sagen Verkäufer, Gastgeber und hilfsbereite Fremde den ganzen Tag; ihn zu verstehen ist wichtiger, als ihn bilden zu können. 드리다 ist die bescheidene Form von 주다 — Sie stufen Ihr eigenes Geben herunter. Ein deutsches Soll ich Ihnen helfen? markiert diesen Unterschied nirgends am Verb.

제가 도와드릴까요?„Soll ich Ihnen helfen?“
무엇을 도와드릴까요?„Womit kann ich Ihnen helfen?“ — der Satz am Ladentisch
스테이크는 어떻게 해 드릴까요?„Wie hätten Sie das Steak gern?“
어떻게 도와줄까요?Dasselbe Angebot mit schlichtem 주다 — unter Gleichrangigen

Die letzte Zeile ist der Kontrast, auf den es ankommt. 드릴까요 stellt Sie unter das Gegenüber, 줄까요 nicht. 도와드릴까요 zu einem engen Freund ist weniger falsch als seltsam förmlich; 도와줄까요 zu einem Kunden ist der Fehler, der auffällt.

Es ist dieselbe Teilung von 주다 und 드리다, die der Artikel zu den Höflichkeitsformen behandelt — hier an der Stelle, an der Sie ihr zuerst begegnen.

-(으)ㄹ 것 같다 — und die drei Modifikatorformen

Wörtlich „es ist wie eine Sache, die …“. Welchen Modifikator Sie anhängen, entscheidet über die Zeit — und die Zeit steht damit im Innensatz, nicht am Ende.

Vorstellbar ist das über das erweiterte Partizipialattribut: das von mir gelesene Buch trägt die Zeitstufe ebenfalls vor dem Nomen. Nur reicht der deutsche Vorrat nicht ganz — für -(으)ㄹ, die Zukunftsform, gibt es kein Partizip.

그 사람 널 좋아하는 것 같아.„Er mag dich.“ — Verb, laufend (17)
커피가 더 좋은 것 같아요.„Kaffee ist wohl besser.“ — Adjektiv, jetzt
그래서 걔가 이사 간 것 같아요.„Sie ist deshalb wohl umgezogen.“ — Verb, Vergangenheit
굉장할 것 같아.„Das wird bestimmt großartig.“ — Zukunft oder Vermutung (46)
여기가 제 자리인 것 같아요.„Das ist wohl mein Platz.“ — 이다 nimmt 인

Zeile 2 und 3 zeigen dasselbe -(으)ㄴ, und darin liegt die ganze Schwierigkeit: am Adjektiv heißt es jetzt, am Verb vergangen. Zusammen sind sie 58 der 123, die größte Gruppe.

Der Zusammenfall gehört nicht dieser Konstruktion, sondern dem Modifikatorsystem — deshalb lohnt der Artikel zu den Modifikatoren vorher. Die übrigen Zeilen schreiben umgangssprachlich 거 같아요 statt 것 같아요: 그 여자 정말 예쁜거 같아요.

Wo Koreanisch abfedert und Deutsch es einfach sagt

Hier trägt der Vergleich nicht mehr weit. 그 사람 널 좋아하는 것 같아 heißt nicht „mir scheint, dass er dich vielleicht mag“. Es heißt er mag dich, gesagt von jemandem, der ziemlich sicher ist. Koreanisch hängt 것 같다 selbstverständlich an Meinungen. Das glatte 좋아해 klingt dagegen, als stellten Sie eine Tatsache über einen anderen Menschen fest — was ein wenig unhöflich ist.

Deutsch mildert an dieser Stelle ebenfalls, aber anders gebaut: Ich glaube, er mag dich stellt einen Hauptsatz davor, das wohl in Er mag dich wohl sitzt mittendrin, und beides bleibt fakultativ. Im Koreanischen steht die Abfederung hinten, sie ist Grammatik, und sie kommt auch dort, wo Deutsch ohne Weiteres geradeheraus spricht.

Dieselbe Gewohnheit macht aus 것 같다 eine Absage. 계속 술 마시면 안 될 것 같아요 mutmaßt nichts über das Trinken; es ist ein Nein, so gesagt, dass niemand eines hören muss. Falls Ihnen der Zug bekannt vorkommt — es ist derselbe, den -는데요 im Artikel zu den Satzendungen macht.

Fünf, die sitzen sollten

Nur die ersten beiden sind echte Fehler; der Rest sind Entscheidungen darüber, wie Sie ankommen — wofür diese Schicht da ist.

Lernen Sie -아/어도 될까요? und -아/어 드릴까요? zuerst als feste Wendungen, nicht als zusammenzusetzende Grammatik: Sie brauchen die eine am ersten Tag in Korea zum Fragen, die andere zum Verstehen.

Das allgemeine -(으)ㄹ까요 ergibt sich daraus. Bei 것 같다 gehen Sie umgekehrt vor und achten darauf, wie oft es fällt, wo Sie selbst es nicht gesetzt hätten. Die gesprochenen Sätze weiter unten sind voll von beidem.

Das üben

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