Koreanische Wortstellung: das Verb steht immer am Ende
Subjekt – Objekt – Verb — die Reihenfolge Ihres weil-Satzes, nur in jedem Satz.
Auf dieser Seite
- Das Verb steht am Ende — Sie kennen das aus dem Nebensatz
- Der Sinn entscheidet sich erst in der letzten Silbe
- Alles außer dem Verb darf sich bewegen
- Die Verneinung hat zwei Plätze, und einer trennt Wörter
- Attribute stehen vor dem Bezugswort — auch das kennen Sie
- Das Subjekt verschwindet, wenn es klar ist — und hier hilft Deutsch nicht
- Drei Gewohnheiten, die Sie ablegen müssen
- Wie der Reflex entsteht
Das Verb steht am Ende — Sie kennen das aus dem Nebensatz
Ihr Hauptsatz ist Verbzweit: Ich lese das Buch. Ihr Nebensatz nicht: …, weil ich das Buch lese. Genau diese Folge benutzt Koreanisch in jedem Satz, auch in Fragen und Verneinungen — Sie lernen keine neue Wortstellung, Sie verallgemeinern eine bekannte.
| 저는 밥을 먹어요. | Ich esse (Reis). — ich Reis esse, wie in …, weil ich Reis esse |
| 저는 어제 친구를 만났어요. | Ich habe gestern einen Freund getroffen. — ich gestern Freund traf |
| 밥 먹었어요? | Haben Sie gegessen? — nichts wird umgestellt |
Für eine Frage zieht Deutsch das finite Verb nach vorn, und die Satzklammer hält nur den zweiten Verbteil hinten. Koreanisch stellt nie um; dort wartet das ganze Verb. Nur mündlich wird nachgeschoben: 밥 먹었어, 나는.
Der Sinn entscheidet sich erst in der letzten Silbe
Das ist die eigentliche Folge, und sie ist zuerst ein Hörproblem. Verneinung, Zeitstufe und Höflichkeitsgrad sitzen alle am Satzende.
| 저는 밥을 먹었어요. | Ich habe gegessen. |
| 저는 밥을 먹지 않았어요. | Ich habe nicht gegessen. |
| 저는 밥을 먹을 거예요. | Ich werde essen. |
Die ersten fünf Silben sind in allen drei Sätzen gleich. Im Deutschen erfahren Sie die Zeitstufe früh — habe, werde stehen an zweiter Stelle. Koreanisch verrät sie zuletzt; das Warten zu lernen ist der größte Teil des frühen Hörtrainings.
Alles außer dem Verb darf sich bewegen
Weil Partikeln jede Rolle markieren, ist der Rest frei; die Wortstellung wird zur Frage der Betonung. Ihr Mittelfeld kann das auch — gestern meinem Bruder das Buch oder das Buch gestern meinem Bruder.
| 저는 어제 친구를 만났어요. | neutral |
| 어제 저는 친구를 만났어요. | Gestern — Betonung auf dem Zeitpunkt |
| 친구를 저는 어제 만났어요. | Einen Freund — Betonung auf der Person |
Alle drei sind korrekt und bedeuten dasselbe: 를 hält 친구 zum Objekt, wo immer es steht. Ihr Kasus tut das auch, nur nicht zuverlässig — in Die Frau sieht die Katze entscheidet allein die Reihenfolge.
Nicht frei ist dagegen, welche Partikel ein Verb verlangt — das Prinzip kennen Sie von warten auf und helfen mit Dativ, nur sind die koreanischen Rektionen eigene. Hier scheitert die Wort-für-Wort-Übersetzung leise.
| 친구를 만나요. | Ich treffe einen Freund. — hier decken sich beide Sprachen |
| 버스를 타요. | Ich steige in den Bus. — Deutsch nimmt eine Präposition, Koreanisch 를 |
| 한국어를 잘해요. | Ich kann gut Koreanisch. — 잘하다 ist ein Verb mit Objekt |
| 의사가 됐어요. | Ich bin Ärztin geworden. — 되다 verlangt 가; Ihr werden ebenso den Nominativ |
| 학생이 아니에요. | Ich bin keine Studentin. — 아니다 verlangt 이/가, nicht 은/는 |
Die Verneinung hat zwei Plätze, und einer trennt Wörter
Koreanisch hat zwei Konstruktionen von ungefähr gleicher Bedeutung. 안 steht vor dem Verb und ist das, was Sie im Gespräch hören; -지 않다 hängt sich hinter den Stamm und klingt schriftlicher.
| 안 먹어요. | Ich esse nicht. — Kurzform, Alltagssprache |
| 먹지 않아요. | Ich esse nicht. — Langform, etwas förmlicher |
| 못 가요. | Ich kann nicht hingehen. — Unvermögen, nicht Unwille |
안 ist nicht, 못 ist nicht können — diese Trennung macht Deutsch ebenfalls. Überraschend ist der Platz von 안 bei Nomen + 하다: Es rückt hinein, zwischen Nomen und 하다 — ähnlich wie Ihr nicht zwischen die Teile eines trennbaren Verbs (Ich rufe dich nicht an), nur dass die im Nebensatz wieder zusammenrücken (…, weil ich dich nicht anrufe). Und die Teile liegen umgekehrt: bei Ihnen der verbale zuerst, im Koreanischen der nominale.
| 공부 안 해요. | Ich lerne nicht. — |
| 일 안 해요. | Ich arbeite nicht. |
| 안 좋아해요. | Ich mag es nicht. — 좋아하다 ist ein einziges Wort, 안 bleibt davor |
| 공부하지 않아요. | Die Langform trennt nie — damit liegen Sie immer richtig |
Drei Verben werden ersetzt statt verneint — 안 있다 gibt es nicht.
| 있다 → 없다 | es gibt / es gibt nicht |
| 알다 → 모르다 | wissen / nicht wissen |
| 맛있다 → 맛없다 | schmeckt gut / schmeckt nicht |
Auch 못 hat eine Langform, -지 못하다: 가지 못해요 ist das schriftsprachliche 못 가요. Die Trennung entfällt dabei — 공부하지 못해요 bleibt in einem Stück.
Attribute stehen vor dem Bezugswort — auch das kennen Sie
Koreanisch stellt jede Beschreibung vor das Nomen, ohne Relativpronomen — wie Ihr erweitertes Partizipialattribut: das gestern von mir gelesene Buch. Der Unterschied ist die Reichweite: bei Ihnen eine Möglichkeit neben dem Relativsatz, im Koreanischen der einzige Weg.
| 제가 어제 읽은 책 | das Buch, das ich gestern gelesen habe — mein gestern gelesenes Buch |
| 옆집에 사는 사람 | die Person, die nebenan wohnt — nebenan wohnende Person |
Deshalb wirken lange koreanische Sätze bedrohlich: Die Beschreibung türmt sich vor dem Nomen auf. Lesen Sie eine lange Strecke vor einem Nomen als ausgebautes Partizipialattribut.
Für -(으)ㄹ kommt das zu lesende Buch am nächsten, trägt aber eine Notwendigkeit, die -(으)ㄹ nicht hat. Zu den Formen 읽은 und 사는 gibt es eine eigene Seite.
Das Subjekt verschwindet, wenn es klar ist — und hier hilft Deutsch nicht
Koreanisch lässt weg, was der Zusammenhang liefert — meist das Subjekt, oft auch das Objekt, in jeder Stilebene. Deutsch verlangt im vollen Aussagesatz umgekehrt ein Subjekt, notfalls ein leeres: Es regnet; salopp fällt das Subjekt allenfalls am Satzanfang weg (Bin gleich da).
| 밥 먹었어요? | Haben (Sie) gegessen? |
| 네, 먹었어요. | Ja, (ich) habe gegessen. |
| 어디 가요? | Wohin gehen (Sie)? |
| 비가 와요. | Es regnet. — wörtlich Regen kommt: 비 ist das echte Subjekt; ein leeres es kennt Koreanisch nicht |
Anfänger setzen 저는 vor jeden Satz, weil ihre Sprache eines fordert. 저는 ist aber kein Pflichtpronomen, sondern ein mit 은/는 markiertes Thema — was mich angeht… — und klingt wiederholt, als grenzten Sie sich ab (siehe 은/는 und 이/가).
Drei Gewohnheiten, die Sie ablegen müssen
- Zu früh entscheiden, was der Satz bedeutet. Das Satzende kann alles umkehren.
- Das Subjekt jedes Mal setzen. Weiß Ihr Gegenüber, von wem die Rede ist, dann weg damit.
- Wort für Wort übersetzen. Das Verb muss ans Ende reisen, auch dort, wo Ihr Hauptsatz es an die zweite Stelle zieht.
Wie der Reflex entsteht
Beim Lesen haben Sie Zeit, im Kopf umzustellen; beim Hören nicht. Shadowing zwingt Sie, die koreanische Reihenfolge im koreanischen Tempo hervorzubringen — nur so wird das Verb-am-Ende automatisch.
Fangen Sie mit kurzen Sätzen an, bei denen die Endung die Bedeutung umdreht, und sprechen Sie laut mit.
Das üben
Koreanische Wortschatzlisten →
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