-(으)ㄹ 수 있다, -고 싶다 — können, wollen und müssen auf Koreanisch
Fünf Endungen, die im selben Moment gebraucht werden: können, wollen, müssen, dürfen und nicht dürfen — und die Stelle, an der Ihr Vorsprung aus dem Deutschen endet.
Auf dieser Seite
- Können — -(으)ㄹ 수 있다 / 없다 und 못
- Wollen — -고 싶다, und warum „er will“ nicht direkt geht
- Müssen, dürfen, nicht dürfen — wo Deutsch im Vorteil ist
- Um etwas bitten — -아/어 주세요
- Wo sie sitzen — vor dem Tempus, um die Höflichkeit herum
- Fünf Fehler, die man sich merken sollte
- Wann 수 있다 doch Erlaubnis heißt — die eine Ausnahme
Können — -(으)ㄹ 수 있다 / 없다 und 못
Nach Konsonant -을 수 있다, nach Vokal -ㄹ 수 있다 — und ebenso nach einem Stamm auf ㄹ, der sein ㄹ verliert: 살다 → 살 수 있어요, nie 살을 수 있어요. Für die Verneinung tauschen Sie 있다 gegen 없다.
Das ist kein Modalverb, sondern ein Baukasten: 수 ist ein Nomen („Weg, Möglichkeit“), 있다 heißt „es gibt“. Wo Deutsch ein Modalverb beugt, baut Koreanisch einen Rahmen um den Verbstamm.
| 먹다 → 먹을 수 있어요. | „Ich kann essen.“ |
| 가다 → 갈 수 있어요. | „Ich kann gehen.“ |
| 갈 수 없어요. | „Ich kann nicht gehen.“ — kategorisch |
| 못 가요. | „Ich kann nicht gehen.“ — die gesprochene Alltagsfassung |
못 und -(으)ㄹ 수 없다 überschneiden sich stark; suchen Sie keine trennende Regel. Brauchbar ist das Register: 못 ist kurz und gesprochen, -(으)ㄹ 수 없다 klingt kategorischer.
Bei 하다-Verben steht 못 innen, genau wie 안 — und das Leerzeichen trägt dabei Bedeutung.
| 공부 못 해요. | „Ich kann nicht lernen.“ — etwas hält mich davon ab |
| 공부 못해요. | „Ich bin schlecht im Lernen.“ — 못하다 ist ein Wort, also ohne Leerzeichen |
Wollen — -고 싶다, und warum „er will“ nicht direkt geht
-고 싶다 hängt an den Verbstamm. Keine Vokalharmonie, keine Veränderungen — die einfachste Endung in diesem Artikel. Im Ton liegt sie näher an ich möchte als an ich will.
| 가고 싶어요. | „Ich möchte gehen.“ |
| 뭐 하고 싶어요? | „Was möchten Sie machen?“ — in Ordnung, Sie fragen Ihr Gegenüber |
| 동생이 가고 싶어해요. | „Meine kleine Schwester möchte hingehen.“ — 동생 sagt nur „jünger“; das Geschlecht steht nicht im Wort, Deutsch muss es ergänzen |
| ✗ — über eine dritte Person geht 싶다 im schlichten Präsens nicht |
Die Regel: -고 싶다 für sich selbst und in Fragen an das Gegenüber; -고 싶어하다, wenn Sie den Wunsch einer dritten Person im schlichten Präsens berichten. In der Vergangenheit ist 동생이 가고 싶었어요 völlig normal. Das Innenleben anderer gilt als etwas, das man beobachtet.
Hier bricht der deutsche Reflex: ich will und er will sind dasselbe Verb, im Koreanischen wechselt dagegen das Wort. 싶다 flektiert wie ein Adjektiv — daher 하고 싶은 일, nicht 하고 싶는 일 —, und -어하다 macht daraus ein Verb des Beobachtens, wie in 좋다 → 좋아하다.
Aus derselben Adjektivnatur folgt, dass das Objekt in beiden Markierungen vorkommt: 물을 마시고 싶어요 wie 물이 마시고 싶어요. Hier wackelt „이/가 gleich Nominativ“ (Partikeln).
Müssen, dürfen, nicht dürfen — wo Deutsch im Vorteil ist
Zwei davon bauen auf der 아/어-Form auf, die Sie für 아요/어요 ohnehin bilden: Wer 먹어요 sagt, sagt auch 먹어야 돼요 und 먹어도 돼요. Die dritte, -(으)면 안 되다, hängt direkt an den Stamm: 가 + 면 안 돼요, 먹 + 으면 안 돼요.
| 가야 돼요. / 가야 해요. | „Ich muss gehen.“ — 돼요 gesprochen, 해요 eine Spur förmlicher |
| 가도 돼요? | „Darf ich gehen?“ |
| 가면 안 돼요. | „Sie dürfen nicht gehen.“ — Verbot |
| 안 가도 돼요. | „Sie müssen nicht gehen.“ — Entbindung |
An dieser Stelle sind Sie im Vorteil: Deutsch trennt Verbot und Entbindung längst lexikalisch, in nicht dürfen und nicht müssen.
Die Falle betrifft die Stellung der Verneinung. Im Deutschen steht sie beide Male beim Modalverb, nur dieses wechselt. Im Koreanischen entscheidet aber nicht die Stellung der Verneinung, sondern der Rahmen: -(으)면 안 되다 verbietet (가면 안 돼요), -아/어도 되다 mit verneintem Hauptverb entbindet (안 가도 돼요).
Wer die deutsche Anordnung nachbaut, landet bei 가지 않아야 돼요 — ein durchaus möglicher koreanischer Satz, aber er heißt „man sollte nicht gehen“ und liegt damit auf der verbietenden Seite: Die Verneinung sitzt zwar am Hauptverb wie in 안 가도 돼요, doch der Rahmen -아/어야 되다 macht daraus eine Pflicht.
Die andere Hälfte von „nicht“: Der verneinte Imperativ benutzt weder 안 noch -지 않다, sondern -지 마세요. 안 가세요 heißt „Sie gehen nicht“, höflich gesagt — keine Aufforderung.
| 가지 마세요. | „Gehen Sie nicht.“ |
| 걱정하지 마세요. | „Machen Sie sich keine Sorgen.“ |
| 가지 마. | „Geh nicht.“ — 반말 |
| 가면 안 돼요. / 가지 마세요. | „Sie dürfen nicht gehen“ nennt eine Regel, „Gehen Sie nicht“ gibt eine Anweisung |
Um etwas bitten — -아/어 주세요
Kein Modalrahmen, gehört aber hierher: Wo Deutsch ein bitte in den Satz stellt, hängt Koreanisch das Verb 주다 („geben“) an die Handlung.
| 도와주세요. | „Helfen Sie mir bitte.“ |
| 잠깐 기다려 주세요. | „Warten Sie bitte einen Moment.“ |
| 물 주세요. | „Wasser, bitte.“ — ein bloßes Nomen nimmt 주세요 allein |
| 다시 말해 주시겠어요? | „Könnten Sie das noch einmal sagen?“ — weicher, dem Konjunktiv II vergleichbar |
Wo sie sitzen — vor dem Tempus, um die Höflichkeit herum
Alle diese Formen sind Rahmen um das Verb, und das Tempus sitzt außen. Bei -고 싶다 markiert die Vergangenheit 싶다, nie das Hauptverb. Die anderen beiden erlauben sie auf beiden Seiten, und die Wahl ändert die Bedeutung — 가야 했어요 („ich musste gehen“) gegen 갔어야 했어요 („ich hätte gehen sollen“).
Das Prinzip kennen Sie: Auch im Deutschen trägt die äußere Schicht die Endung, dort das Modalverb, während das Vollverb im Infinitiv bleibt (ich musste gehen). Koreanisch teilt genauso auf, nur umgekehrt angeordnet: Das Hauptverb steht vorn und unverändert, gebeugt wird der Rahmen dahinter.
| 가고 싶었어요. | „Ich wollte gehen.“ |
| ✗ — die Vergangenheit gehört an 싶다 | |
| 갈 수 있었어요. | „Ich konnte gehen.“ |
| 가야 했어요. | „Ich musste gehen.“ |
| 가실 수 있어요? | „Können Sie gehen?“ — das höfliche -시- steht innen, am Hauptverb |
Dieselbe Schichtung beschreibt der Artikel zum Verbaufbau: Stamm, Höflichkeitsmorphem, Tempus, Endung.
Fünf Fehler, die man sich merken sollte
먹을 수 있어요?für darf ich essen? → 먹어도 돼요? — die erste Form fragt, ob es möglich ist갔고 싶어요→ 가고 싶었어요동생이 가고 싶어요→ 동생이 가고 싶어해요가지 않아야 돼요für nicht müssen → 안 가도 돼요안 공부해요 / 공부못해요→ 공부 안 해요 / 공부 못 해요 — 안 und 못 rutschen beide in das 하다-Verb hinein
Diese Endungen leben in der gesprochenen Sprache — 가도 돼요? und 가야 돼요? hören Sie weit häufiger, als Sie sie lesen.
Wann 수 있다 doch Erlaubnis heißt — die eine Ausnahme
Eine ehrliche Einschränkung zum Schluss. 수 있다 ist von der Erlaubnis nicht hermetisch getrennt. Im Laden wird 여기서 사진 찍을 수 있어요? als Frage danach gehört, ob Fotos erlaubt sind; im Deutschen kippt Kann ich hier fotografieren? genauso. Brauchbar bleibt der Unterschied trotzdem: 어도 돼요 kommt immer als Erlaubnis an, 수 있다 nur manchmal.
Das üben
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