ShadowingKorean

은/는 oder 이/가 — die Partikel, an der alle scheitern

Beide stehen beim Subjekt, austauschbar sind sie nicht. Ihr Gefühl für Kasus hilft — bis zu der Stelle, an der 은/는 gar kein Kasus mehr ist.

Auf dieser Seite
  1. Die Kurzfassung
  2. 이/가 sieht aus wie Ihr Nominativ — und deckt sich doch nicht mit ihm
  3. Neues nimmt 이/가, Bekanntes nimmt 은/는
  4. Das Verb bestimmt die Partikel, nicht Ihre Übersetzung
  5. 은/는 trägt einen leisen Gegensatz — Ihr Vorfeld auch, nur anders
  6. Ein Fragewort als Subjekt nimmt 이/가 — und die Antwort behält es
  7. Sechs Fehler, die Deutschsprachige machen
  8. Wie der Reflex entsteht

Die Kurzfassung

이/가 zeigt auf das Subjekt und sagt dieses hier. 은/는 hebt es heraus und sagt was dieses angeht… — meist mit einem Gegensatz dahinter.

Das ist die ganze Idee; alles Weitere zeigt nur, wie sie in echten Sätzen aussieht. Die Wahl zwischen 은 und 는 beziehungsweise 이 und 가 ist dagegen reine Lautung: 은 und 이 folgen auf einen Konsonanten, 는 und 가 auf einen Vokal — mechanisch, und nach einer Woche denken Sie nicht mehr darüber nach.

있어요Es gibt ein Buch — Sie zeigen darauf
있어요Ein Buch, ja, das habe ich — (den Stift vielleicht nicht)
했어요Ich habe es gemacht — nicht jemand anderes
했어요Was mich angeht: gemacht. — und Sie?

이/가 sieht aus wie Ihr Nominativ — und deckt sich doch nicht mit ihm

Ihr Vorsprung: Dass eine Sprache grammatische Rollen sichtbar markiert, kennen Sie aus vier Kasus. Zwei Unterschiede nehmen Sie am besten sofort mit.

Erstens die Form. Ihr Kasus sitzt vor allem am Artikel und an der Adjektivendung und richtet sich nach Genus und Numerus. Die koreanische Partikel hängt hinten am Nomen, kennt weder Genus noch Numerus und wechselt nur nach dem Endlaut.

학생 왔어요.Die Studentin ist gekommen. — nach Konsonant steht 이
친구 왔어요.Der Freund ist gekommen. — nach Vokal steht 가, dieselbe Partikel
친구 만났어요.Ich habe den Freund getroffen. — nur die Partikel wechselt, 친구 bleibt

Zweitens die Reichweite. 은/는 ist kein Kasus, sondern markiert das Thema — und ein Thema muss kein Subjekt sein: Es sitzt ebenso auf einer Zeitangabe, einem Ort oder einem Objekt. 이/가 kann das nicht.

오늘 바빠요.Heute habe ich zu tun. — anders als sonst
여기 처음이에요.Hier bin ich zum ersten Mal.
그건 저 몰라요.Das weiß ich nicht. — jemand anderes vielleicht schon

Neues nimmt 이/가, Bekanntes nimmt 은/는

Das ist der zuverlässigste Test, und er erklärt, warum dasselbe Nomen innerhalb einer kurzen Geschichte die Partikel wechselt.

옛날에 할머니 살았어요.Es war einmal eine Großmutter. — erste Nennung, für Ihr Gegenüber neu
그 할머니 아주 친절했어요.Diese Großmutter war sehr freundlich. — jetzt ist sie bekannt

Denselben Wechsel machen Ihre Artikel: eine Großmutter, danach die Großmutter. Koreanisch hat keine Artikel; diese Arbeit übernimmt die Partikel.

Das Verb bestimmt die Partikel, nicht Ihre Übersetzung

Bis hierher ging es um Thema und Fokus. Jetzt kommt ein anderes Problem, für viele das größere: manche koreanischen Verben verlangen schlicht eine bestimmte Partikel, und nicht die, die Ihr deutscher Satz nahelegt. Das Prinzip kennen Sie — helfen mit Dativ, warten auf mit Akkusativ —, nur sind die koreanischen Rektionen eigene.

친구 만나요.Ich treffe einen Freund. — 만나다 nimmt ein Objekt, keine Präposition
버스 타요.Ich steige in den Bus. — 를, nicht das 에, das in nahelegt
의사 됐어요.Ich bin Ärztin geworden. — 되다 nimmt ; Ihr werden verlangt ebenso den Nominativ
한국어 잘해요.Ich kann gut Koreanisch. — 잘하다 nimmt
저는 학생 아니에요.Ich bin keine Studentin. — 아니다 nimmt 이/가

Und hier bricht die Gleichung 이/가 = Nominativ endgültig — an einem deutschen Satz mit demselben Bau. In Kaffee gefällt mir ist Kaffee das Subjekt, die Person steht im Dativ. Bei 좋다 macht Koreanisch es genauso: Das Gemochte trägt 이/가.

저는 커피 좋아요.Ich mag Kaffee. — gebaut wie mir gefällt Kaffee: 커피 ist das Subjekt
저는 김치 좋아해요.Ich mag Kimchi. — 좋아하다 ist ein transitives Verb
시간 필요해요.Ich brauche Zeit. — gebaut wie Zeit ist nötig

좋다 ist ein Adjektiv, 좋아하다 ein Verb; Deutsch hat mit gefallen und mögen dasselbe Paar, greift im Alltag aber für beides zu mögen. Lernen Sie Verb und Partikel als ein Stück친구를 만나다, 의사가 되다, 커피가 좋다 —, so wie Sie warten auf als Ganzes gelernt haben.

은/는 trägt einen leisen Gegensatz — Ihr Vorfeld auch, nur anders

Auch ohne genanntes zweites Element lässt 은/는 Ihr Gegenüber eines erwarten. Deshalb kann ein harmlos aussehender Satz schief landen.

김치 좋아해요.Kimchi mag ich… — das andere eher nicht
김치 좋아해요.Ich mag Kimchi. — glatte Aussage, kein Unterton

Das können Sie auch, nur mit anderen Mitteln: Sie schieben etwas ins VorfeldDas Buch habe ich gelesen. Zwei Unterschiede. Sie verschieben ein Wort, Koreanisch wählt eine Partikel. Und Ihr Satz kommt ohne jede Markierung aus, während im Koreanischen auch der neutrale Satz eine der beiden trägt — im Gespräch fallen Partikeln allerdings weg.

So kann auch ein Lob danebengehen: 한국어는 잘하시네요 liest sich als Ihr Koreanisch immerhin ist gut.

Ein Fragewort als Subjekt nimmt 이/가 — und die Antwort behält es

Ein Fragewort nimmt 이/가, wenn es das Subjekt ist (누가 왔어요? · 뭐가 좋아요? · 어디가 아파요?): Gefragt ist genau dieses unbekannte Subjekt, und die Antwort liefert es, behält also 이/가. Sonst nimmt das Fragewort eine andere Partikel oder gar keine — 어디 가요?, 어디에서 만나요?, 뭐 먹었어요?

왔어요?Wer ist gekommen?
동생 왔어요.Mein jüngeres Geschwister ist gekommen.
동생 왔어요.Mein Geschwister, das ist gekommen. — Antwort auf eine andere Frage

Sechs Fehler, die Deutschsprachige machen

Wie der Reflex entsteht

Regeln bringen Sie durch eine Prüfung. Automatisch wird die Wahl erst, wenn Sie dasselbe Muster hundertfach mit Bedeutung gehört haben. Shadowing wirkt hier besonders gut, weil die Partikel unbetont ist und beim Lesen leicht überflogen wird — laut mitsprechen zwingt Sie, sie hervorzubringen.

Üben Sie mit kurzen Sätzen, in denen eine einzige Partikel die Bedeutung dreht, und sagen Sie beide Fassungen laut. Die Sätze unten stammen aus Videos, Sie hören also jeden im Zusammenhang.

Sobald 은/는 gegen 이/가 keine Denkarbeit mehr kostet, folgen die nächsten vier Gruppen: 을/를, 에 gegen 에서, (으)로 und 도/만/부터/까지.

Das üben

Koreanische Wortschatzlisten →

Alle Anleitungen